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Forscher der Universität Cambridge entwickeln Prototyp für serverfreies Internet

Das Internet ist aus der heutigen Gesellschaft kaum noch wegzudenken. Der Großteil der Bevölkerung nutzt es täglich, es ist zu einem Teil unserer Kultur geworden. Diese Entwicklung intensivierte sich in den letzten Jahren umso mehr, da inzwischen bereits mehrere Generationen mit dem Internet aufgewachsen sind. Die hinter dem globalen Netz stehende Technologie ist allerdings älter als es den meisten Menschen bewusst ist: Das heutige Internet geht zurück auf das Projekt ARPANET, das das US-Verteidigungsministerium im Jahr 1969 ins Leben rief und dessen Grundprinzipien weiterhin die Basis des modernen Internets bilden. Dies könnte sich allerdings nun ändern. Forscher der Universität Cambridge entwickelten den Prototyp einer Technologie, die von dem heutigen Aufbau des Internets massiv abweicht.

Pursuit - alternatives Internet

Wie das Internet heute funktioniert

Die heutige Form des Internets funktioniert in ihren Grundzügen heute genauso, wie es bereits beim Projekt ARPANET der Fall war: Auf einem Server werden Informationen gelagert, die dann von allen ans Netz angeschlossenen Usern abgerufen werden können. Im Grunde sind die im Netz verfügbaren Informationen also zentralisiert. Fällt ein Server aus, sind die auf ihm gelagerten Informationen vorerst nicht mehr verfügbar. Ein Umstand, der schon länger als veraltet kritisiert wird und der in dem von dem Forscherteam der Universität Cambridge entwickelten Prototypen nicht mehr zutrifft.

Die Zukunft des Internet: Dezentralisiertes Cloud-Computing

Als Teil eines von der EU finanzierten Projekts namens Pursuit hat die Universität Cambridge eine Technologie entwickelt, die das Internet revolutionieren würde. Die Technologie arbeitet ähnlich wie populäre Filesharing-Protokolle wie BitTorrent. Statt auf zentralisierte Server zuzugreifen, tauschen die Geräte der User Informationen direkt untereinander aus. Dabei werden die Daten auf einer großen Anzahl von Geräten dupliziert, sodass der Zugriff nicht dadurch gehindert wird, das ein User sein Gerät ausschaltet.

Dirk Tossen, der technische Direktor des Pursuit-Programms, erklärt das System wie folgt: „Each information item is individually addressable with items being possibly very large objects or (more likely) smaller chunks of something bigger. Hence, I can assemble larger objects by collecting the chunks, akin to P2P systems albeit realised at the level of the current internetworking protocol (making it very efficient). With that, I can take any storage into count that has (even a chunk of) my information that I want. Whether some storage is smaller than other does not really matter.
Ähnlich wie in einem P2P-System werden große Informationen aufgesplittert, sodass der individuell verfügbare Speicher keinen Einfluss auf die Funktion des Netzes hat.

Sicherheitsvorteile gegenüber dem herkömmlichen Internet

Spätestens seit der NSA-Affaire rund um Edward Snowden dürfte auch den meisten „normalen“ Bürgern bewusst sein, dass unser digitales Leben Gefahren und Sicherheitsrisiken birgt und uns zu mit relativ einfach und im verborgenen überwachbaren Individuen macht. Diese Bedenken könnte auch das System der Universität Cambridge nicht völlig beiseite wischen. Wo Informationen auf irgendeine Art und Weise ausgetauscht werden, da kann man diese Informationen auch abfangen. An dieser simplen Tatsache führt kein Weg vorbei. Dennoch könnte eine Dezentralisierung des Internets das Auffinden solcher Informationen deutlich erschweren. Hinzu kommt, dass in einem solchen System keine Denial-of-Service-Attacken mehr möglich wären, da es keine zentralen Angriffspunkte mehr gäbe.

Überwachung ist ein soziales Problem, kein technisches

Dirk Gossen stellt aber gleichzeitig klar, dass auch Pursuit nicht die Lösung aller Probleme sei. Die gezielte Überwachung der virtuellen Identität durch offizielle (oder auch weniger offizielle) Stellen sei auch in einem dezentralisierten Netz noch möglich. Reduzierte Überwachung sei nur durch gesellschaftlichen und politischen Druck zu erreichen, nicht durch technische Mittel.

Ungeklärte Fragen

Pursuit ist definitiv eine interessante Idee, vor allem, weil es nicht wie artverwandte Ideen ein System neben dem Internet beschreibt, sondern eines, dass die heutige Form des Internets komplett ersetzen würde.
Dennoch verbleiben viele offene Fragen: Wie groß ist der Anteil an Speicherkapazität, den jeder einzelne User zur Verfügung stellen müsste? Wie würde solch ein System die Performance der eingebundenen Geräte beeinflussen? Hinzu kommt, dass sich auch die nationalen Rechtssysteme an diese neue Art des Internets anpassen müssten.
Sicherlich wird es auch noch eine Weile dauern, bis wir so weit sind, ein solches System global umzusetzen. Jedoch ist Pursuit ein interessanter Ausblick in die Zukunft, mit dem man sich getrost etwas genauer auseinandersetzen sollte.

 

 

(via GigaOM)

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Ein Kommentar

  1. Finde ich sehr geil! Es wird auch Zeit etwas zu verändern! Aber 10-15 Jahre wird es dauern…

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