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Warum Google momentan innovativer als Apple ist, wieso das nichts Schlimmes ist und wie sich das in Zukunft dennoch ändern könnte

Seit mehr als einer Woche schwebt mir nun schon diese Artikelidee im Kopf herum, aber mir fehlte irgendwie die richtige Muße, sie auch umzusetzen. Nun ist mir jemand zuvor gekommen, und zwar mit Walter Isaacson ein nicht gerade unbekannter jemand. Dennoch ist es wohl nie zu spät, um die eigenen Gedanken zu diesem Thema niederzuschreiben. Es soll um die viel diskutierte Innovationskraft Apples gehen – und um den Konkurrenten Google.

X Labs Innovation

Wieso Google innovativer als Apple ist

Mit der Aussage, dass Google zum aktuellen Zeitpunkt über deutlich mehr Innovationspotenzial verfügt als Apple, hat Walter Isaacson den Zorn aller Apple-Fans auf sich gezogen. Und zwar in einer Art und Weise, die ihn scheinbar dazu nötigte, diese Aussage nur einige Tage später zu relativieren.

Ist sie deswegen falsch? Der Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Hauschildt definierte Innovation einst als etwas im Ergebnis Neuartiges, das sich gegenüber dem vorangegangenen Zustand merklich unterscheidet. Diese Idee ergänzte Clayton Christensen um den Begriff der disruptiven Innovation, die durch radikale Änderungen oder die Gründung komplett neuer Produkte neue Kunden oder Märkte erschließt.

Das letzte Mal, das Apple mit einem Produkt für das Unternehmen komplett neue Märkte bzw. Kundenstämme erschlossen hat, war die Vorstellung des iPad im Jahr 2010. Und selbst dort betrat man kein Neuland, sondern brachte einfach “nur” das erste Tablet auf den Markt, das die Leute wirklich haben wollten. Echte Innovation fand bei Apple dagegen mit dem Macintosh statt. Aber das ist, wie wir alle wissen, schon etwas her.

Und auch nach Hauschildts Definition findet bei Apple seit mehreren Jahren eher Evolution als Innovation statt. Man könnte nun darüber diskutieren, inwieweit die Einführung der TouchID innovativen Charakter hatte, aber letztlich kommt es auf diesen Umstand nicht an.

Denn wenn man den vereinzelten eher detailorientierten Umsetzungen Apples die Masse an Ideen entgegensetzt, die aus Googles X-Labs kommen, dann wird schnell klar, dass Isaacson mit seiner Aussage gar nicht so falsch lag. Aktuelle Beispiele aus der Google-Entwicklungsabteilung sind Project Glass (das Ergebnis Google Glass kann man bereits käuflich erwerben), Project Loon (Internet über Ballons, in der Testphase), die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos und die Google Contact Lens, die Glukosewerte am Auge abliest. Googles Forschungsabteilung hat sich Produkten verschrieben, deren Umsetzung für die breite Masse noch Jahre dauern dürfte. Darin liegt zum einen der Grund für die Tatsache, dass Google innovativer als Apple ist, als auch der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Unternehmen.

Wieso das nichts schlimmes ist

Google und Apple verfolgen völlig unterschiedliche Strategien, was die Entwicklung neuer Produkte angeht. Während man bei Google nach vorne prescht, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, wie kommerziell erfolgreich so ein Produkt sein wird, bringt Apple nur Dinge auf den Markt, die auch unmittelbares finanzielles Potenzial bieten. Ein Produkt, das großes finanzielles Potenzial hat, ist im Umkehrschluss auch ein Produkt, an dem eine große Menge Kunden Interesse haben.

Ein gutes Beispiel für die Strategie Googles ist das Project Glass. Google Glass ist in den USA bereits käuflich erhältlich, obwohl das Produkt alles andere als ausgereift und massenkonform ist. Der Kunde fungiert hier praktisch als Betatester. Dieses Vorgehen haben wir bereits vor einiger Zeit in einem Artikel beleuchtet.

Apple dagegen denkt deutlich kundenorientierter. Bevor ein neues Produkt umgesetzt wird oder ein bestehendes Produkt ausschlaggebend verändert wird, muss ein Markt dafür vorhanden sein. Damit geht zwingend einher, dass es sich nicht um etwas wirklich Neues handelt. Mir zumindest fällt kein einziges Apple-Produkt aus den letzten 10 Jahren ein, bei dem man sagen konnte “Wow, das gab es vorher noch nie”. Apples Kunst bestand noch nie darin, revolutionär Neues zu tun, sondern eher darin, bestehende Technologien auf eine Art und Weise zu kombinieren und verbessern, die in fantastischen Produkten resultiert.

Man kann Walter Isaacson also zustimmen, wenn er sagt, das Apple eine Firma ist, die die Nase stellenweisse meilenweit vorne hat, wenn es um die Umsetzung geht. Apples Produkte bieten Technik auf höchstem Niveau für einen sehr breiten Kundenstamm, und das macht aus dem Unternehmen eine der finanziell erfolgreichsten Firmen aller Zeiten. Deswegen muss man sich auch nicht verstecken, nur weil diese Produkte nicht zwingend in die klassische Definition von Innovation passen. Für beide Arten von Entwicklung gibt es eine Existenzberechtigung. Sowohl für Googles sehr experimentellen Ansatz als auch für die Strategie Apples, bei der Produkte entstehen, die weltweit Millionen Kunden begeistern.

Was sich in Zukunft ändern kann

Momentan befinden wir uns in einem technischen Umbruch, bzw. zumindest in einer Phase, in der ein momentan noch recht neuer Bereich erschlossen wird. Die Rede ist von sogenannter “tragbarer Technik”. Mit der Pebble Smartwatch, Google Glass und der Samsung Gear gibt es in diesem Bereich auch schon einige Produkte, aber keines davon konnte sich bisher wirklich durchsetzen.

In letzter Zeit ist im Zusammenhang mit Smartwatches und anderen “tragbaren” Produkten oft die Rede von biometrischen Sensoren. Google hat einen entsprechenden Ansatz mit den Google Kontaktlinsen, und auch bei Apple forscht man scheinbar intensiv in diese Richtung. Darauf deuten zumindest viele Personalentscheidungen aus den letzten Monaten hin.

In diesem Bereich bestehen noch echte Innovationsmöglichkeiten, und Apple hat definitiv die Macht, hier deutlich etwas zu bewegen. Eine Smartwatch, die Parameter wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Glukoselevel und andere medizinische Variablen effektiv überwachen kann wäre definitiv ein Novum und ein Produkt, auf die sich auch klassische Innovationsdefinitionen anwenden lassen.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob Apple bereit ist, einen solchen Weg zu gehen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Apple lieber anderen Unternehmen den Vortritt lässt, was komplett Neues angeht, und einen Markt lieber betritt und umkrempelt als wirklich von Grund auf neu erschließt. Bleibt Apple bei dieser Strategie, so wird man wohl in den seltensten Fällen von echter Innovation sprechen können. Aber auch dann ist das nichts schlimmes, sondern ein Vorgehen, von dem der Endkunde sehr viel hat.

Warum Google momentan innovativer als Apple ist, wieso das nichts Schlimmes ist und wie sich das in Zukunft dennoch ändern könnte
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4 Kommentare

  1. Aber genau das ist ja Sinn und Zweck des Ganzen: Google bietet Glass jetzt schon an, damit in erster Linie Entwickler (nicht „Laienkunden“) diese testen und die Entwicklung mit Ideen voranbringen können..

  2. man kann ja schreiben, was man will. Ich denke aber, dass auch Google seine Wurzeln (ein Nichtgerätehersteller) nicht einfach so leicht abschütteln kann. Sie sind Werbung – und alles was dazu beiträgt, dies zu beflügeln wird gemacht.

    Ob sie nun wirklich im Hardware-Geschäft erfolgreich werden bleibt abzuwarten. Der Verkauf von Motorola zeigt jedoch in eine andere Richtung: Sie wollen/können es (noch???) nicht.

    Ansonsten danke für den Artikel. Ist nicht so eine Negativblase wie andernorts.

  3. Zitat:

    Mit der Aussage, dass Google zum aktuellen Zeitpunkt über deutlich mehr Innovationspotenzial verfügt als Apple, hat Walter Isaacson den Zorn aller Apple-Fans auf sich gezogen. Und zwar in einer Art und Weise, die ihn scheinbar dazu nötigte, diese Aussage nur einige Tage später zu relativieren.

    Grausam dass das so ablief, hier kann man doch wieder sehen das Apple-User doch schwer einen an der Waffel haben. Ich möchte nicht wissen welche Drohungen Walter Isaacson über sich ergehen lassen musste. Denn konstruktive und objektive Diskussionen sind ja mit Apple-User nicht möglich!!

  4. Zitat ispeedy :

    Zitat:

    Mit der Aussage, dass Google zum aktuellen Zeitpunkt über deutlich mehr Innovationspotenzial verfügt als Apple, hat Walter Isaacson den Zorn aller Apple-Fans auf sich gezogen. Und zwar in einer Art und Weise, die ihn scheinbar dazu nötigte, diese Aussage nur einige Tage später zu relativieren.

    Grausam dass das so ablief, hier kann man doch wieder sehen das Apple-User doch schwer einen an der Waffel haben. Ich möchte nicht wissen welche Drohungen Walter Isaacson über sich ergehen lassen musste. Denn konstruktive und objektive Diskussionen sind ja mit Apple-User nicht möglich!!

    … immer diese Verallgemeinerungen. Ich zweifle nicht an, dass du deine eigenen Erfahrungen gemacht hast, so wie der Isaacson auch. Jeder ist doch letztlich mit dem glücklich, wofür er sich entschieden hat. Viele meinen es gut und denken, dass sie andere überzeugen können. Das Internet und solche Foren sind dazu aber ungeeignet – ungeeigneter geht es nicht. Ich kann nur sagen: Probiert es selbst aus. Lasst euch zeigen, worin Vorteile liegen sollen. Vor Ort und life!

    Alles andere ist nur Wichtigtuerei und Rechtgehabe.

    Leider ist jeder von sich überzeugt – und insgesamt sind Deutsche scheinbar historisch bedingt vordergründig konservativ. Aber was soll’s. Man muss einfach wissen, was psychologisch hinter dem alles steht, kaum jemand gibt öffentlich zu, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Also wird die eigene Ansicht auf Teufel komm raus verteidigt. Wie arm ist doch die Welt.

    Zu Isaacson: Was nun wirklich war – und was die Medien daraus gemacht haben (und letztlich auch du) ist niemandem klar. Isaacson ist nicht dumm, sondern Milliardär. Und wenn er über eine gemachte Äußerung (wie spontan oder überlegt die auch zustande gekommen ist) nachgedacht hat und so viel Mut hatte, diese zu ändern – dann ist das doch OK. Ein normaler Vorgang. Und wenn die Medien seine Äußerung verdreht haben, um mehr Klicks oder eine gute Story zu haben – dann kann das auch eine Möglichkeit sein, sich ein paar Tage später gegenteilig zu äußern.

    Zu Dir: Du kannst leider diese Dinge nicht einmal in Betracht ziehen. Sofort haben Apple-User einen an der Waffel – und man kann mit ihnen weder konstruktiv noch objektiv diskutieren. Letzteres ist mit Apple-Usern nicht möglich – ergo mit allen???

    Und damit wäre meine Erwiderung beendet. Vielleicht kann der Autor der zitierten Zeilen diese meine Zeilen akzeptieren. Ändern muss er sie nicht, denn das ist meistens nicht möglich (siehe oben in diesem Text). Da aber alles relativ ist wird es auch Apple User geben, mit denen man diskutieren kann. Und ich denke auch, dass sie (wie auch andere User) in der Mehrzahl sein werden. Nur sie wollen zu solchen Beiträgen keinen Kommentar abgeben. Ich kann das verstehen, denn warum soll man sich zum (scheinbaren) Leiden anderer äußern.