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Warum das E-Book-Urteil gegen Apple löchrig ist

Letzte Woche berichteten wir von dem Urteil, das von der US-Bezirksrichterin Denise Cote gegen Apple in dem E-Book-Fall gesprochen wurde. Apple wurde für schuldig befunden, mit verschiedenen Verlagen Preisabsprachen für den E-Book-Markt getroffen und so die Konkurrenz (allen voran Amazon) geschädigt zu haben. Im Nachgang hat sich die Webseite Macs Future ausführlich mich dem Urteil von Cote beschäftigt und ein paar Punkte gefunden, die den Urteilsspruch argumentativ etwas löchrig erscheinen lassen.

Apple hätte das Wholesale-Modell wählen können

In ihrem Urteil schreibt Denise Cote, dass Apple statt der Most-Favored-Nation Klausel, nach der die Verlage ihre Werke in anderen Shops nicht unter Apples Preis anbieten dürfen, sich ebenfalls für Amazons Wholesale-Modell hätte entscheiden können. Bei diesem Modell legt der Retailer die Preise für die E-Books jeweils selber fest. Apple wollte jedoch preislich nicht mit Amazon konkurrieren müssen, so Cote.

Macs Future führt aus, dass man von Apple überhaupt nicht erwarten konnte, mit Amazons Preisen zu konkurrieren. Amazon hielt zu dem Zeitpunkt, als Apple den Markt betrat, 90 Prozent aller E-Book-Verkäufe. Um mit den Preisen im Amazon-Shop konkurrieren zu können, hätte Apple die E-Books im iBook-Store unter Verlust verkaufen müssen. Eine direkte Konkurrenz zu Amazon wäre Apple zu diesem Zeitpunkt gar nicht möglich gewesen. Amazon konnte es sich leisten, E-Books knapp über dem Einkaufspreis zu verkaufen. Die geringe Marge konnte man mit der schieren Menge an Verkäufen wieder gut machen. Apple hatte diesen Luxus damals nicht. Dementsprechend sagte auch Eddie Cue vor Gericht aus, dass man sich bei der Verhandlung der Verträge nicht an Amazon orientiert habe, sondern eher darauf ausgerichtet gewesen sei, mit dem iBook-Store überhaupt erst Profit zu machen.

Apple im Wholesale-Modell wäre für Amazon gefährlich gewesen

Hätte Apple ebenfalls das Wholesale-Modell gewählt, hätte man die Bücher unter dem Einkaufspreis verkaufen müssen, um überhaupt konkurrenzfähig gegenüber Amazon zu sein. Langfristig hätte sich daraus auch ein wettbewerbsrechtlicher Vorwurf gegen Apple konstruieren lassen, mit dem Vorwurf, man wolle Amazon aus dem Geschäft drängen. Hinzu kommt, dass man Apple hätte vorwerfen können, die Vormachtstellung des iOS-Ökosystems auszunutzen, um der Konkurrenz bewusst zu schaden. Apple stand also vor der Wahl, sich mit der Most-Favored-Nation-Klausel dem eventuellen Vorwurf von Preisabsprachen auszusetzen oder aber im Wholesale-Modell die Gefahr einzugehen, wegen wettbewerbsschädlichen Preisen (ja, sowas gibt es) belangt zu werden.

Apples Modell gab den Verlagen Macht zurück

Bevor Apple den E-Book-Markt betrat, richtete sich jeder nach Amazon. Das Unternehmen hielt 90 Prozent des Marktes und hatte somit quasi ein Monopol inne. Konkurrenz gab es so gut wie keine. Apples Most-Favored-Nation Klausel gab den Verlagen etwas der an Amazon verlorenen Macht zurück. Verlage, die ihre E-Books im iBook-Store anbieten, haben die Kontrolle darüber, zu welchen Preisen sie dies tun.

Es lässt sich außerdem damit argumentieren, dass auch bei der Festlegung der Preise durch die Verlage grundlegende Marktprinzipien greifen. Hätte ein Verlag die Preise für ein E-Book zu hoch angesetzt, wäre wahrscheinlich ein Umsatzrückgang zu beobachten gewesen. Dies hätte wiederum in einer Preisanpassung resultiert. Auf gleiche Weise regulieren sich auch die Preise in einem Wholesale-Modell.

Apples Modell belebt die Konkurrenz

Die Verschiebung der Macht über die Preise weg von Amazon hin zu sechs der größten Verlage in den USA (nebst unzähligen kleinen Verlagen, die ihre E-Books im iBook-Store verkaufen) war auch nicht schädigend für den Kunden. Denn Apple schuf einen Markt, der statt von einem Quasi-Monopolisten von mehreren konkurrierenden Kräften gesteuert wurde. Schließlich stehen die Verlage in Konkurrenz zueinander. Und Konkurrenz tut einem Markt eigentlich fast grundsätzlich gut und sorgt für sinkende Preise.

Das Gericht ignorierte die realen Verhältnisse

Macs Future kommt zu dem Schluss, dass das Gericht in der Entscheidung die Realitäten auf dem E-Book-Markt ignoriert. Mit dem E-Book-Reader Nook verschwindet ein weiterer Konkurrent (Barnes & Noble) vom Markt, und es gibt Hinweise darauf, dass Amazon die schwindende Konkurrenz nutzt, um die Preise für die im Amazon-Shop verkauften E-Books anzuziehen. Das Urteil gegen Apple wird diese Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter verschärfen.

Jedoch bleibt Apple ja immer noch das Berufungsgericht. Vor diesem können Argumente aufgearbeitet werden und möglicherweise gibt es bis dahin ja auch noch weitere Hinweise darauf, dass das Urteil dem Markt nicht gut tut.

 

Warum das E-Book-Urteil gegen Apple löchrig ist
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2 Kommentare

  1. zwickt mich mal einer. apple wird immer wieder zu unrecht verurteilt. amazon sollte anstelle apples angeklagt werden, nachdem bericht hier zu beurteilen.

  2. Neeiin nur Apple ist Böse. Google, Amazon und wie sie alle heißen machen alle nur Gutes. *ironie off*