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Kommentar: iPod touch – was uns Apple damit sagen wollte

Der neue iPod touch ist da. Er bringt schnellere Hardware mit, eine verbesserte Kamera, ein fast identisches Gehäuse und kann Apple Music (im Gegensatz zu iPod shuffle und iPod nano). Mit ein bisschen gutem Willen kann man aus den Spezifikationen aber vielleicht noch mehr herauslesen als ein pures Update des iPod touch.

Kurze Warnung: Was jetzt folgt ist meine eigene Meinung und ein bisschen Kaffeesatzleserei. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, in den Kommentaren mit zu diskutieren, ob ihr der Argumentation folgen würdet.

Ein Upgrade mit Sub-Text

Der neue iPod touch hat im Wesentlichen die Innereien des iPhone 6 spendiert bekommen: A8-Prozessor (64-bit-fähig) und 1 GB RAM. Für den iPod touch, dessen letzte Revision im September 2012 vorgestellt wurde (Silent-Updates zählen wir mal nicht, da sich die Hardware nicht änderte), ist das ein durchaus beachtenswertes Upgrade, denn 2012 war der iPod touch im Wesentlichen ein iPhone 5 ohne Telefonie – und mit 32-Bit-Prozessor, wie auch die Benchmarks zeigen. Der iPod touch war das letzte Gerät von Apple, das auf iOS läuft und noch keinen 64-Bit-Prozessor hatte.

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iOS 9: Alle Geräte weiter unterstützt

Auf der WWDC-Keynote hat Apple angekündigt, dass alle Geräte, die mit iOS 8 laufen, auch iOS 9 bekommen werden, also iPod touch 5G (2012), iPad 2 (2011), iPhone 4s (2011), iPad mini oder jeweils neuer. Als App-Entwickler wird man aber voraussetzen können, dass ein iOS-Gerät einen 64-Bit-Prozessor hat, damit die App lauffähig ist. Das führt zu einer Theorie, dass iOS 9 das letzte iOS ist, das auch mit 32-Bit-Prozessoren lauffähig ist. Im Falle, dass sich die Geschichte wiederholt, kennen wir das bereits von Mac OS X. In 10.6 Snow Leopard brachte Apple den App Store an den Start, bei dem man für seine App auch schon 64-Bit-Prozessoren voraussetzen konnte. In Mac OS X 10.7 Lion wurden 64 Bit dann generell vorausgesetzt. Für Apple wäre es auch absolut sinnvoll, alte Zöpfe wieder abzuschneiden, denn so hält sich der Pflegeaufwand neuer Versionen in Grenzen. Je mehr Geräte unterstützt werden, desto mehr Eigenheiten müssen beachtet werden, von daher war es schon irgendwie überraschend, dass Apple keinen Support einstellte. Nun, da alle iOS-Geräte 64-Bit-CPUs unter der Haube haben, wäre iOS 10 eine Gelegenheit, eine Reihe von Geräten in den Ruhestand zu schicken. Schließlich gibt es schon seit 2013 (iPhone 5s, iPad Air, iPad mini 2) Geräte, die 64 Bit unterstützen – und der iPod touch (bzw. der iPod im Allgemeinen) interessiert Apple anscheinend ohnehin nur noch beiläufig. Das brächte uns zurück zu einer Support-Dauer von etwa 3 Jahren, also 2 Jahre nach dem letzten Verkauf eines Geräts, wie es früher schon gehandhabt wurde. Das Ur-iPhone kam 2007 auf den Markt und wurde 2008 abgelöst, es bekam kein iOS 4 mehr (2010); das iPhone 3G (2008) hingegen wurde bis iOS 4.2 (Ende 2010) unterstützt.

Wer braucht den iPod touch noch?

Um die Frage schnell zu beantworten: Apple selbst sicher nicht. Vor allem die Mitteilung, dass der neue iPod touch Apple Music unterstützt, ist dahingehend witzig, dass der alte das auch schon konnte – iOS 8.4 macht's möglich. Von den Verkaufszahlen her ist der iPod mittlerweile so weit in die Bedeutungslosigkeit eingetaucht, dass er gar nicht mehr gesondert erwähnt wird, wenn Apple die Quartalszahlen veröffentlicht. Nützlich ist der iPod touch aber dennoch. Nicht für Kinder und Jugendliche, die kein iPhone von den Eltern spendiert bekommen – sondern für Entwickler. Gerade erste Betas von neuen iOS-Versionen haben oft so dermaßen viele Fehler, dass man unter normalen Umständen gar nicht will, dass das eigene, auch geschäftlich genutzte, iPhone mit der neuen Version ausgestattet wird – andernfalls ist die Gefahr zu hoch, dass das iPhone nicht sinnvoll einsetzbar ist. Um aber dennoch seine Apps zu testen und neue Funktionen einzubauen, ist der iPod touch ein dankbarer Kandidat, da er deutlich günstiger ist als ein Zweit-iPhone. Von daher würde ich nicht davon ausgehen, dass Apple die Entwicklung des iPod touch komplett einstellt – aber mit jährlichen Upgrades wie früher, als der iPod für Apple noch ein wichtiges Produkt war, würde ich auch nicht rechnen. Und genau aus dieser Betrachtung folgt meine Theorie, dass Apple mit iOS 10 (oder iOS X?) im nächsten Jahr eine ganze Reihe von Geräten, nämlich die ohne 64-Bit-Prozessor, aus dem Support nimmt.

Aber iOS 9 wurde doch für alte Geräte optimiert?

Auf der WWDC-Keynote gab Apple an, dass iOS 9 optimiert wurde, der Akku soll länger halten und besonders schwache Geräte sollen wieder flüssiger laufen. Das könnte man nun so interpretieren, dass obige Theorien allesamt falsch sind. Auf der anderen Seite steht Mac OS X 10.6 Snow Leopard. Auch hier gab es wenig neue Funktionen, dafür wurde das System an sich optimiert und sollte ebenfalls auf älteren (Intel-) Macs besser laufen. Dennoch hat Apple mit Mac OS X 10.7 Lion den Stecker für 32-Bit-CPUs gezogen. Von daher ist es nicht gänzlich ausgeschlossen, dass das Unternehmen das noch einmal tut.

Dennoch ist das iPod-Upgrade ein schönes Signal

Wer schon ein bisschen länger dabei ist, dürfte sich bei dem Gedanken ertappen, dass wir dem iPod im Allgemeinen und dem iPod touch im Besonderen viel zu verdanken haben. Ohne den Erfolg des iPod hätte Apple nicht die finanziellen Mittel gehabt, ein iPhone zu entwickeln und ohne den iPod touch, den man „unverbindlich“ (ohne unübersichtliche Kosten und einen Mobilfunkvertrag) testen konnte. Für viele alte Hasen dürfte der iPod touch der Einstieg in iOS gewesen sein. Von daher ist es – wenigstens aus nostalgischen Gründen – eine schöne Sache, dass Apple dem iPod touch ein Upgrade gegönnt hat. Auch wenn man nicht so wirklich damit gerechnet hat.

Kommentar: iPod touch – was uns Apple damit sagen wollte
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