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NSA-Affäre: Innerdeutsches Internet soll vor Datenklau schützen

Seitdem vor einigen Monaten der NSA-Mitarbeiter Edward Snowden mit hochsensiblen Informationen an die Öffentlichkeit ging, die das wahre Ausmaß der geheimdienstlichen Arbeit des US-Nachrichtendienstes bekannt machten, ist IT-Sicherheit wieder ein öffentlich diskutiertes Thema. Die NSA-Affäre schlägt immer noch weitreichende Wellen: Kürzlich wurde über die Möglichkeit diskutiert, Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren, ein Schritt, den die Bundesregierung aus Angst vor dem mächtigen Partner USA nie gehen würde. Worum man sich aber scheinbar bemühen möchte, ist, das Internet für deutsche Bürger wieder sicherer zu machen. Entsprechende Pläne der Telekom sehen ein “innerdeutsches” Internet vor.

NSA Affäre

Deutsche Daten bleiben in Deutschland

Die Presse, die die Telekom momentan sonst so bekommt, ist nicht gerade positiv. Schon seit Monaten wird in aller Öffentlichkeit über die Pläne des Unternehmens diskutiert, bei den Festnetz-Internet-Flatrates nach einem bestimmten verbrauchten Volumen die Geschwindigkeit zu drosseln. Der Verbraucherprotest ging soweit, dass man gegen die Pläne vor Gericht zog.
Etwas wohlwollender dürften die meisten Bürger nun die neuesten Pläne der Telekom aufnehmen: Das Unternehmen plant, motiviert durch die Öffentlichkeitswirkung der NSA-Affäre, ein innerdeutsches bzw. innereuropäisches Internet aufzubauen. In aller Kürze würde das bedeuten, dass Datenverkehr zwischen deutschen oder europäischen Knotenpunkten nicht mehr wie bisher über weltweit verteilte Knotenpunkte geleitet und somit ein fest definiertes Gebiet nicht verlassen würde. Denkbar wäre sowohl eine innerdeutsche Lösung als auch eine Variante, die die ganze EU betrifft (mit Ausnahme des Vereinigten Königreiches, das eng mit der NSA kooperiert).
Technisch umsetzbar wäre das allemal. Dieter Kemp, der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, bestätigte, dass sich Routingtabellen entsprechend ändern lassen, sodass die Daten nur noch über bestimmte Knotenpunkte fließen können.

Die Pläne bleiben nicht ohne Kritik

So einfach von heute auf morgen ließen sich diese Pläne nicht umsetzen. Sowohl rechtlich als auch technisch gäbe es einige Hürden, die es zu überspringen gälte.
Außerdem gibt es durchaus auch Stimmen, die die Pläne kritisch sehen. Bemängelt wird vor allem, dass derartige Vorhaben die Freiheit des Netzverkehrs einschränken würden und somit nicht mit dem Grundgedanken des Internets vereinbar seien.

Die deutsche Telekom denkt etwas naiv

Des weiteren muss man sich fragen, ob die Telekom nicht etwas naiv an die Sache rangeht. Es scheint schwer vorstellbar, dass eine derart mächtige Organisation wie die NSA sich davon abhalten ließe, auch an innerdeutschen oder innereuropäischen Knotenpunkten den Datenverkehr abzufangen.
Einer der weltweit größten Internet-Knotenpunkte ist DE-CIX in Frankfurt. Dieser verarbeitet neben deutschen Daten auch solche aus aller Welt, ähnlich wie Knotenpunkte weltweit heutzutage noch für die Weiterleitung von deutschen Daten zuständig sind. Um eine Manipulation von außen zu verhindern, müsste der Datenverkehr durch DE-CIX streng nach inländischen und ausländischen Daten getrennt werden – oder aber die Weiterleitung ausländischer Daten via DE-CIX gänzlich unterbunden werden. Letztere Variante wäre mit starken finanziellen Einbußen verbunden.
Und selbst dann wäre der deutsche und europäische Datenverkehr nicht vor Manipulationen geschützt, die vor Ort vorgenommen werden. Im Ernstfall dürfte das eine der leichteren Übungen für die NSA sein.

NSA-Affäre: Innerdeutsches Internet soll vor Datenklau schützen
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5 Kommentare

  1. Nichtsdesto trotz macht man sich Gedanken. Welche Losung dann die beste ist wird sich rausstellen

  2. Wenn dann ein innerdeutsches netz!
    Denn ganz ehrlich, als ob die Europäer die deutschen nicht auch genauso ausspähen würden. Wers glaubt wird sehnlich…..
    Vielleicht nicht so viel wie die USA, aber trotzdem.
    Man sollte versuchen wenigstens sensible Daten von Firmen in einem innerdeutschen Netz zu bewegen(natürlich auch nur so lange, bis man es an ein außerdeutsches unternehmen/ außerdeutsche Zweigstelle, etc. Transportiert).

  3. Die EU sollte entlich gemeinsam gegen Amerika vorgehen und nicht jedes Land für sich! Vorallem lassen sich unsere Politiker mit Sachen abspeisen bei denen sich jeder normale Bürger fragt ob das ihr ernst ist.

    Wir sind ein Europa also sollten wir auch so handeln und uns einmal über unsere Stärke in der Weltwirtschaft bewusst werden! Nicht umsonst ist Europa gemeinsam die wirtschaftlich stärkste Region der Welt. Wir haben keinen Grund uns zu verstecken oder klein bei zu geben

  4. @SA: Wäre umgekehrt ja dann das selbe und jedes Land bräuchte sein eigenes Netz denn das die Deutschen die einzig braven in Europa sind nehme ich nicht an