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Die Akte Foxconn – Das Urteil der FLA

Berichte über Missstände beim Apple-Zulieferer Foxconn gibt es ja schon länger. Seien es nun Explosionen wegen schlechter Sicherheitsvorkehrungen, schlechten Arbeitsbedingungen oder die Selbstmordwelle, das Unternehmen schaffte es immer wieder mit negativen Meldungen in die Schlagzeilen. Apple beauftragte daraufhin die Fair Labor Association (FLA), die Zustände bei der chinesischen Firma zu untersuchen. Der Bericht der Organsiation liegt nun vor.

Insgesamt fällt der Bericht gemischt aus. Während die FLA betont, die Bedingungen bei Foxconn wären nicht so schlecht wie befürchtet, finden sich doch einige „umfassende Probleme“ vor allem in den Bereichen Überstunden, Entlohnung und Sicherheit. Wohlgemerkt wurde auf die Verletzung von chinesischem Arbeitsrecht hin untersucht und nicht mit westlichen Standards verglichen.

Der Bericht sprach außerdem von „enormen Kommunikationslücken, die zu einem weitverbreiteten Gefühl von unsicheren Arbeitsbedingungen unter den Arbeitern führen“ und einer Gewerkschaft, die zwar besteht, aber mehr das Management repräsentiert als die Arbeiter. Die Mitteilung der FLA könnt ihr im englischen Original bei den Kollegen von Cult of Mac nachlesen.

Apple und Foxconn versprachen, sich umgehend um die Schwachstellen, die der Bericht offen gelegt hat, zu kümmern. Das war schließlich auch die Intention hinter dem Auftrag an die FLA. Man wollte auf die Kritik reagieren und die Arbeitsbedingungen verbessern. Teilweise wurde auf Verbesserungsvorschläge seitens der Auditoren bereits vor Ort reagiert. So heißt es in dem Bericht der FLA:

Many of Foxconn’s health and safety problems, including blocked exits, lack of or faulty personal protective equipment and missing permits, were immediately corrected during the course of the investigation. FLA found that, one year after the Chengdu explosion, Foxconn had improved operating procedures, measurement, and documentation to reduce risks related to aluminum dust where Apple products are made.

Insgesamt ist also ein positiver Trend zu vermerken. Doch wie werden die Änderungen speziell aussehen? Neben den Verbesserungen der Arbeitssicherheit werden Arbeiter bei Foxconn ab 2013 eine 49-Stunden-Woche haben und kontinuierliche den Industriestandards entsprechende Löhne erhalten. Die Veränderungen werden von der FLA überwacht werden.

Die Gruppe Human Rights First sprach von einem „Wendepunkt für die Industrie“ und „lebensverändernde Verbesserungen“ für die Arbeiter. Jedoch sind die Arbeiter selber nicht gerade erfreut über die Pläne. In einem Bericht von Reuters heißt es:

Many workers seemed unconvinced that their pay wouldn't be cut along with their hours. For some Chinese factory workers – who make much of their income from long hours of overtime – the idea of less work for the same pay could take getting used to.
„We are worried we will have less money to spend. Of course, if we work less overtime, it would mean less money,“ said Wu, a 23-year-old employee from Hunan province in south China.

Sie befürchten eine gleichzeite Lohneinbuße. Diese soll aber laut Foxconn nicht eintreten. Der amerikanische Blog Gizmodo äußerte allerdings die nicht ganz unberechtigte Vermutung, solche Meldungen könnten von Foxconn beeinflusst werden.

Tim Cook wollte sich offenbar selber von den Zuständen bei Foxconn überzeugen. Während seines kürzlich stattgefundenen Chinabesuchs besuchte er neben einem Apple Store auch das Foxconn-Werk in Zhengzhou.

Insgesamt ist das Ergebnis, vor allem die Bereitschaft von Apple und Foxconn, die Missstände in Angriff zu nehmen, positiv zu verordnen. Wirklich zeigen wird sich der Erfolg der Veränderungen erst, wenn diese auch durchgesetzt werden.

Die Akte Foxconn – Das Urteil der FLA
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5 Kommentare

  1. Ich glaube es wird sehr oft vergessen, dass wir Chinesische Arbeitsbedingungen und Wochenarbeitsstunden nicht mit unseren Standards messen sollten und dürften.

    Ebenso wird sehr oft vergessen, dass es vor Ort in der Firma nebenan kaum besser ist und zu welchen Bedingungen die Menschen leben müssten, wenn es diese Firmen nicht gäbe. Ob es dem Chinesen besser gefallen würde, im Reiswasser zu stehen und für Multilebensmittelkonzerne sich im Feuchtklima Malaria für ein paar Cent Gehalt einzufangen? Oder ggf. gar keinen Broterwerb zu haben.

    Wofür Europa oder auch Amerika über 150 Jahre gebraucht haben – das kann man nicht von jetzt auf gleich in China voraussetzen. Wobei ??? Warum prangern die schlauen Organisationen die dauernd die Bedingungen bei Zulieferern von Apple anprangern, nicht an das auch andere dort produzieren lassen? Oder prangern das gesamte Sozialsystem in USA an, wo schon jemand der Krankenkassen einführen will zum Kommunisten angeprangert wird??

    Ich kanns ehrlich nicht mehr hören. Es sind Zulieferer – und nicht Apple selbst. Und ehrlich von einem Kunden dessen Zulieferer ich bin, liesse ich mir auch nicht ins Unternehmen quatschen.

    Und noch ein Aspekt — wer möchte denn demnächst für verbesserte Arbeitsbedingungen 2 oder 300 Euro mehr zahlen für die Geräte?? Oder hört dann das angeblich soziale Gewissen wieder auf?
    Ganz ehrlich?? – Mich interessiert es als Kunde vielleicht wie Apple seine eigenen Mitarbeiter in den Stores behandelt. Aber weiter geht meine Verantwortung als Kunde nicht. Was in der 2.-3. Kette des Herstellungsmodus vorgeht, dafür fühle ich mich weder verantwortlich noch kann ich es beeinflussen. Genauso wenig wie ich dafür verantwortlich bin, in Europa geboren zu sein und nicht in der 3. Welt — o.k. ich habe nichts dafür getan – aber es ist auch nicht meine Schuld, für die ich mit permanent schlechtem Gewissen durch die Welt laufen muss.

  2. Mir geht es auch ziemlich auf den Keks, dass Apple bei den Ermittlungen so sehr in die Kritik gerät. Es gibt weitaus mehr Unternehmen die auch durch Foxconn fertigen lassen. Aber HP, Apple oder sonst wer sind auch NUR Kunden von Foxconn. Für die ist doch nur wichtig, dass die Qualität, der Preis und die Menge stimmt. Wie Foxconn herstellt kann denen doch egal sein wenn das Ergebnis stimmt. Eine wichtige Rolle sollte eher die Regierung spielen indem sie Gesetzte auf den Weg bringen die eine Arbeitssicherheit ähnlichen den westlichen Standards festlegen.

  3. Heißt das im Umkehrschluss, es wäre dir als Kunde auch egal, wie Apple seine Mitarbeiter behandelt?

    Ich sehe Apple hier auch nicht so sehr in der Kritik wie ihr anscheinend. Das in China nicht die besten Arbeitsbedingungen herrschen ist wohl allgemein bekannt (im übrigen verglich der Bericht mit chinesischem Arbeitsrecht, nicht mit westlichen Standards. Das Argument „Anderswo ist es besser/schlechter“ wird hier nicht herangezogen. In keine von beiden Richtungen. Der Bericht selber prangert Apple auch nicht an, sondern sagt sogar, die Bereitschaft Apples sich eben trotz der nicht zwingend vorhandenen Bindung an die Foxconn-Angestellten für diese einzusetzen sei beachtlich. Wenn man den Artikel aufmerksam liest steht das da auch drin.

    Es GIBT auch in China Arbeitszeit- und Sicherheitsgesetze. Diese werden aber von Foxconn bisher nur sehr rudimentär beachtet.

  4. Ich habe eindeutig gesagt, das mich als Kunde eigentlich nur interessiert, wie Apple seine Mitarbeiter behandelt. – Mag sein dass dieser Bericht sich teils sogar lobend in Richtung Apple geäußert hat, nur geht mir seit geraumer Zeit die Berichterstattung über schlechte Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern auf den Keks – ebenso wie die Couch-Aktivisten die auch in Deutschland (z.B. den Apple-Store in Hamburg) mit Blockaden attackieren, nur weil sie nichts besseres zu tun haben.

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